Heckenschutz ist Heimatschutz

Naturschutzbund hält eine Baum- und Heckenschutzverordnung für notwendig / Heckenkataster ein Schritt in die richtige Richtung


Erst vor kurzem hat in Rinteln die „Große Cornwall-Nacht“ des NABU debütiert und das Land der Steilküsten und Hecken vorgestellt. Kaum zu glauben, aber insgesamt umfassen die Weiden und Wiesen Cornwalls rund 33.000 Kilometer Hecken, die, als gemeinschaftliches Naturerbe verstanden, von den Menschen in Cornwall gerne gepflegt und erhalten werden. Kein Wunder also, dass alljährlich viele Tausend Menschen in Cornwall Urlaub machen, um eine intakte und ökologisch wertvolle Kulturlandschaft erleben zu können. „Heckenlandschaften haben eine besonderen landschaftsästhetischen Reiz und sind zudem von unschätzbarem Wert für Flora und Fauna“, wie Nick Büscher, 1. Vorsitzender der NABU-Gruppe Rinteln weiß.


Heckensaum. - Foto: Kathy Büscher
Heckensaum. - Foto: Kathy Büscher

Umso mehr scheint es notwendig, die heimischen Hecken zu schützen – will man zukünftig nicht erst bis nach Cornwall fahren müssen, um eine über Jahrhunderte gewachsene, für Mensch und Natur wertvolle Kulturlandschaft zu erleben: „Wir haben mit unseren Hecken ein Naturerbe, das es zu bewahren gilt und dessen wir uns bewusst werden sollten“, bekräftigt Büscher. Aus diesem Grund begrüßt der NABU die Initiative der WGS, das Baumkataster der Stadt Rinteln um ein Heckenkataster erweitern zu wollen und bedauert umso mehr die jüngste Entscheidung im Ausschuss für Umwelt, Bau- und Stadtentwicklung, dass dies nach dessen Votum zunächst auf die lange Bank geschoben werden soll: „Die naturschutzfachliche Notwendigkeit eines solchen Heckenkatasters sollte bei allem Verständnis für die Bemühungen um finanzielle Einsparungen nicht angezweifelt werden“, mahnt Büscher. Und die Naturschützer sehen konkreten Handlungsbedarf: Ungeachtet der Bedeutung für Mensch und Natur verschwinden in Rinteln wie in ganz Schaumburg mehr und mehr Hecken, teilweise durch unsachgemäße Pflege oder illegale Gehölzentfernungen, teilweise durch „Bodenordnungsverfahren“.


„Die illegale Entfernung von Bäumen und Heckengehölzen nimmt zu und wird meist nur durch Zufall oder gezielte Hinweise entdeckt“, so Büscher weiter. Der NABU arbeite eng mit der Unteren Naturschutzbehörde zusammen, doch ehrenamtliche wie hauptamtliche Naturschützer können ihre Augen nicht überall haben. Umso besser wäre es, ein Heckenkataster zumindest für die Flächen der Stadt Rinteln zu erstellen, um gezielt die vorhandenen Hecken und Heckenwege zu schützen: „Wir befürworten umso nachdrücklicher die Errichtung eines Heckenkatasters als Erweiterung des Baumkatasters, das jedoch nicht nur aus Gründen der Verkehrssicherung, sondern auch unter dem Aspekt des Naturschutzes erstellt werden sollte“, wie Büscher weiter betont. Der NABU sagt zu, sich konstruktiv an einem Baum- und Heckenkataster zu beteiligen.

 

Und für die Rintelner Naturschützer ist eine Baum- und Heckenschutzverordnung für das Rintelner Stadtgebiet der logische Folgeschritt: „Es kann nicht sein, dass Bäume und Hecken im Außenbereich besonderen Schutz erfahren und ihrer ökologischen Bedeutung Rechnung getragen wird, indem die Baum- und Heckenschutzverordnung des Landkreises greift, während im Rintelner Stadtgebiet dieser Schutz nicht gilt, weil eine solche Verordnung schlichtweg fehlt“, so Büscher. Es dürfe nicht weiterhin mit zweierlei Maß beim kommunalen Gehölzschutz gemessen werden: Der NABU-Vorsitzende hofft auf eine Initiative im Rat der Stadt Rinteln, um endlich eine Baum- und Heckenschutzverordnung für das Stadtgebiet zu erlassen: „Schon lange ist dies aus Sicht des Naturschutzes ein Mangel, gehört eine solche Verordnung doch zu den Mindeststandards, um unsere Kulturlandschaft zu schützen, umso mehr, da dies Ausdruck eines Bewusstseins für die Verantwortung ist, wie wir mit diesem Erbe umgehen“, so Büscher.